Das Internationale Jahr der Wälder
Der Wald im Wandel„Manche Besucher empfinden das als unordentlich, aber wir lassen der Natur ihren Lauf“, sagt Holger Beu und zeigt auf einen umgestürzten Baum. „Schauen Sie mal, da ist Leben drin“, weiß der Nationalpark-Ranger. Totholzkäfer wie Buchdrucker und Kupferstecher fühlen sich dort wohl. |
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Die Rote Waldameise nutzt die Stumpen, um dort ihre Hügel zu errichten. Einige kniehohe Ameisenhügel liegen am Weg zum Weststrand. Dort angekommen pfeift der Wind und dem Betrachter bietet sich ein eindrucksvolles Bild: Die Düne ist abgebrochen, Bäume sind entwurzelt und liegen samt Wurzelballen am Strand. Natürliche Waldränder wie hier gibt es nur noch selten.
Bei jedem Besuch zeigt der Weststrand ein weiteres seiner vielen Gesichter, denn unaufhörlich arbeiten Wind und Wetter. So findet ein Sedimenttransport Richtung Darßer Ort statt und lässt dort stetig neue Landschaften entstehen. „Besonders gut lässt sich das beobachten, wenn man dem Rundweg folgt“, empfiehlt Friedemann Bartz. Unter den Füßen knarzt das Holz, denn Stege führen zwei Kilometer durch die Dünenlandschaft bis hin zum Darßer Ort. Selten gewordene Tiere und Pflanzen werden dadurch geschützt. Reffe werden diese trockenen Dünenbereiche genannt, Riegen die feuchten Vertiefungen, die zwischen zwei Reffen liegen. „142 mal wechseln sich Reff und Riege auf dem Darß ab“, weiß der Nationalpark-Ranger. Die ältesten Wälle sind über 2000 Jahre alt. Zuerst siedelt sich die Kiefer auf dem neu entstandenen Land an, was ihr den Namen „Pionierbaum“ einbrachte. Im Schutze von schwarzen Krähenbeeren, die dem Heidekraut zum verwechseln ähnlich sehen, kann sie behütet heranwachsen. Später, wenn der Boden nährstoffreicher ist, siedeln sich Laubbäume an. Meist sind das Eichen und Rotbuchen. Die ältesten ihrer Art stehen etwas versteckt abseits der Wanderwege und sind mehrere hundert Jahre alt. So gedeiht hier Alt neben Jung. Früher wurden die Wälder vornehmlich forstwirtschaftlich genutzt, diese Nutzungsart tritt immer weiter in den Hintergrund. Zeitzeugen sind die symmetrisch wirkende Kiefernwälder, die sich jedoch schrittweise auch natürlich entfalten dürfen.
INFO: „Natur Natur sein lassen“ ohne menschliches Dazutun kann die Natur ihren eigenen Weg im Nationalpark wählen. Der Darßwald ist dabei das größte zusammenhängende Waldgebiet im Nationalpark. Es misst rund 5.000 Hektar und wird gefolgt vom Osterwald auf dem Zingst, der 800 Hektar umfasst. Drei Millionen Besucher wurden bei der letzten Erhebung gezählt. Um deren Betreuung kümmerten sich 65 Mitarbeiter des Nationalparkamtes.

