Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft
Aus der Vorgeschichte - eine ChronikDer Naturschutz im Gebiet des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft hat eine über einhundertjährige Geschichte. Eine Chronik von 1891 bis 1989. |
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Zingst wird 1937 Militärstandort; in der Sundischen Wiese werden ein Flak-Schießplatz und ein Bombenabwurfgelände errichtet.

1891
Der Forstmeister Ferdinand Freiherr von Raesfeld (Bild oben) übernimmt die preußische Staatsforst Darß. Eine Gruppe pommerscher Herrenjäger und Großgrundbesitzer entwickelte die Idee, den Darß in ein großes Schutzgebiet zu verwandeln. Die Idee wird von Raesfeld mit Begeisterung aufgenommen.
Anfang des 20.Jarhunderts
Von Ornithologen ausgehend, entstehen erste Vogelschutzstätten an der deutschen Ostseeküste.
1909
Der Ornithologische Verein von Köthen unterbreitet den Vorschlag, auf den Werder-Inseln ein Schutzgebiet zu errichten.
1910
Auf der Fährinsel werden erste Maßnahmen zum Schutz der Vogelwelt unternommen. Auf Anregung mehrerer Hiddenseer bildet sich ein »Naturschutzbund Hiddensee«.
1922
Die Preußische Regierung erklärt Gellen und Gänsewerder zum Naturschutzgebiet.
1929
Bock und Werder-Inseln werden zum Vogelschutzgebiet erklärt.
Ende 20er Jahre
Die Idee, auf dem Gebiet des Darß ein Naturschutzgebiet einzurichten, wird wieder aufgegriffen. Der Leiter des Darßer Forstamtes, Franz Mueller, greift den Gedanken von Raesfeld wieder auf. Unterstützung findet er in Bengt Berg, Ornithologe und Schriftsteller aus Schweden.
1931
In der Zeitschrift »Die Grüne Post« wendet sich Bengt Berg die deutsche Öffentlichkeit auf: »Schafft einen deutschen Urwild-Park!« Dafür schlug er die 5.000 ha Darßer Staatsforst vor.
1933
Forstmeister Franz Mueller arbeitet einen Plan für den Naturschutz im Darßwald aus, das die Gebiete Darß-Zingst-Sundische Wiese umfasst.
1934
Mueller stößt bei Hermann Göring zunächst auf offene Ohren. Der Reichsjägermeister, der seit 1933 preußischer Ministerpräsident ist, forciert die Errichtung eines Reichsjagdgebietes auf dem Darß. Muellers Pläne kommen aber nicht zur Umsetzung. Göring wird 1935 Oberbefehlshaber der Luftwaffe.
1937
In der Sundischen Wiese werden ein Flak-Schießplatz, ein Behelfsflugplatz und ein zwei mal zwei km großes Bombenabwurfgelände errichtet.
Anmerkung: Auch Mueller und Berg spielten in der NS-Zeit keine gute Rolle.
1937
Durch eine Verordnung des Regierungs- Präsidenten in Stettin erhalten auf Hiddensee Dornbusch, Schwedenhagener Ufer und Alter Bessin (315 ha) den Status Naturschutzgebiet.
1955
Eine Gruppe einheimischer Naturfreunde - Initiator Maler Karl-Heinrich Kluge - und die Ortsgruppe Zingst des Deutschen Kulturbundes fordern die Errichtung eines »Deutschen Nationalparks an der Ostseeküste«. Die Initiative findet keine Resonanz auf höherer Ebene.
1957
Ausweisung der Naturschutzgebiete:
- Westdarß und Darßer Ort mit Bernsteininsel (1.130 ha)
- Bock und Hohe Düne von Pramort (1832 ha)
In den 60er Jahren
In mehreren Gebieten erfolgen Sperrungen wegen Nutzungen durch Armee, MfS. Das betrifft Gebiete in der Sundischen Wiese, auf dem Darß, Barhöft/Bock, auf dem Dornbusch von Hiddensee, Bug (längster Landhaken von Rügen).
1962
Die Inseln Kirr und Oie im Barther Bodden werden durch Verfügung des Rates des Bezirkes Rostock einstweilig als Naturschutzgebiete gesichert.
1967
Durch Anordnung des Vorsitzenden des Landwirtschaftsrates der DDR erfolgt die Erklärung folgender gebiete zu Naturschutzgebieten:
- Inseln Oie und Kirr (450 ha)
- Dünenheide der Insel Hiddensee (250 ha)
- Fährinsel (93,50 ha)
- Insel Liebitz (60 ha)
- Heuwiese und Freesenort (250 ha)
1972
Durch Beschluss des Rates des Bezirkes werden die 1967 zu Naturschutzgebieten erklärten Gebiete bestätigt.
1976
Weite teile der Region Fischland-Darß-Zingst werden als »Landschaftsschutzgebiete« ausgewiesen.
1978
Die DDR tritt der Ramsar-Konvention bei und legt u. a. das »International bedeutsame Feuchtgebiet Boddengewässer Ostteil Zingst, Westküste Rügen Hiddensee« fest.
1979
Der »Erste Landschaftstag Fischland- Darß- Zingst« wird durchgeführt.
1980
Gründungsveranstaltung der Gesellschaft für Natur und Umwelt im Bezirk Rostock.
1982
Der Rat des Bezirkes Rostock beschließt, in Schaprode auf Rügen eine Biosphärestation für das International bedeutsame Feuchtgebiet »Boddengewässer Ostteil Zingst, Westküste Rügen Hiddensee« zu bauen.
Anmerkung: Die Biosphärestation wird am 1. Juni 1990 fertiggestellt. Am 1. Januar 1991 wird die Station samt Mitarbeiter dem Aufbaustab des Nationalparks als Außenstelle für den Bereich Westrügen und Hiddensee zugeordnet.
1985
Im Kreis Ribnitz-Damgarten gründet sich eine Interessengemeinschaft »Zur Pflege zum Schutz und zur Nutzung der Boddenlandschaft«
1989
Öffnung der deutschen Grenze; Auflösung der Staatsjagden. Bürgerinitiativen setzen sich für die Schaffung von Nationalparks ein. Auf Bürgerinitiative wird in Ribnitz-Damgarten beim Rat des Kreises eine »Initiativgruppe Nationalpark Küstenlandschaft« gebildet.

